Dubais neue Moral

Aktuelles
21. März 2010

Kuessen, nein danke!

Kuessen, nein danke!

 

Erst vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass bereits im letzten November ein Paar aus Grossbritannien (er lebt in Dubai, sie hat ihn besucht) verhaftet worden ist. Ursache war die Anzeige einer emiratische Frau, derenTochter die beiden beim Kuessen und Alkohol Trinken in der Oeffentlichkeit beobachtet und sich in ihrer moralischen Auffassung gekraenkt gefuehlt haben soll. Das Paar muss mit einer Haftstrafe von einem Monat, einer Busse von jeweils 1000 Dirham und der Ausschaffung aus Dubai rechnen.

In diesen Tagen geht die vierte Art Dubai ihrem Ende entgegen. Leider ist es auch hier zu verschiedenen, fuer Dubai ungewoehnlichen Eingriffen seitens der Behoerden gekommen. In einem Falle wurde eine Galerie einer in Dubai ansaessigen Belgierin gezwungen, das Werk der iranischen Kuenstlerin Ramin Haerizadeh nicht mehr zu zeigen, in dem die Mullahs in Form einer Collage laecherlich gemacht werden. Auf der zeitgleich stattfindenden Bastakiya Art Fai kam es ebenfalls zu einer Zwischenfall und der Aufforderung, das Werk einer weiteren iranischen Kuenstlern (Laudi Abilama) mit dem Titel Arab Heroes zu entfernen, auf dem der fruehere persische Schah gezeigt wurde.

Diese Vorgaenge beschreiben, dass die noch bis vor wenigen Monaten relativ grosszuegige Auslegung islamischen Rechts und der lokalen Zensur inzwischen strikter gehandhabt wird. Gut moeglich, dass im Zeichen der Krise nicht nur wirtschaftliche Fortschritte gefaehrdet sind.







4 Antworten zu “Dubais neue Moral”

  1. Carl Schubert sagt:

    wenn diese Zensur und Repression zunehmen, kann sich Dubai bis auf Weiteres von der Vostellung verabschieden, die gewünschte Weltgeltung erzielen zu können. Natürlich wird es weiterhin Touristen geben, die nur nach Geld-Aspekten buchen, aber wer freier Verhältnisse schätzt, wird wegbleiben. Damit reduziert sich eine Einnahmequelle und eine moderne Vorbildfunktion eines muslimischen Staates.

  2. Michael Schindhelm sagt:

    Der Druck auf die Reformer in Dubais Regierung ist gewachsen. Das “Fortschrittsmodell” Dubai wurde von seinen Nachbarn – die dem Emirat heute finanziell aushelfen – nie sehr gemocht. Und auch in Dubai selbst mehren sich wohl die Stimmen, denen alles zu schnell gegangen ist. Die Stadt schwebt irgendwie zwischen Ausverkauf und Bildersturm. Und naechste Woche gibt sich die Elite zum Pferde-Weltcup wieder die Ehre…

  3. Christine Meier sagt:

    Es erscheint mir sinnvoll, sich an den aktuell üblichen Verhaltenscodex zu halten, obwohl mir manche “Urlauber”-Berichte zu anspruchsvoll bezüglich einer gewissen Erwartunghaltung erscheinen.

  4. Michael Schindhelm sagt:

    Nach meinem Eindruck erwartet man inzwischen in Dubai von westlichen Auslaendern mehr Respekt vor der lokalen Tradition (zum Beispiel “Kleiderordnung”) als noch vor einem Jahr. Dies koennte ein Zeichen sein, aber fuer zwei verschiedene Dinge: Entweder erstarkt in Dubai der muslimische Konservatismus oder das Beduerfnis, sind nicht einfach vom Westen vereinnahmen zu lassen. Das waere nicht dasselbe. Die supermoderne Fassade der Dubaier Strassen und Malls erweckt bei Besuchern oft den Eindruck, es sei ja alles “wie bei uns”. Das ist tatsaechlich ein Irrtum…

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6. November 2009
Von Michael Schindhelm
Lesen Sie hier einen Auszug aus »Dubai-Speed«.

 


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