
Der Gruender der Emirate hat es gewusst: aller Anfang ist schwer
Sie sind Maenner meist um die fuenfzig, und sie verkoerperten eine neue Schicht von Machern unter den Emiraties. Sie entstammen nicht den beruehmten alten Familien, sondern haben durch eigenen Verdienst Scheich Mohammed auf sich aufmerksam gemacht. Oft in Schweizer Schulen und an angelsaechsischen Universitaeten erzogen, bildeten sie die erste Generation von Beduinen am Golf, die selbst Hand an die Entwicklung ihres Landes anlegten und dies nicht mehr oder minder loyalen Topmanagern aus dem Westen ueberliessen.
Das Ergebnis ihres Einsatzes war die unebschreibliche Geschwindigkeit, mit der Dubai in den letzten Jahren vor 2009 Menschen, Kapital und immer neue superlativische Ideen verschluckt hat, um zu einer Weltmetropole zu werden. Zugleich sind diese Maenner sicherlich nennenswert fuer den spektakulaeren Absturz mitverantwortlich, welchen das Emirat seit letztem Herbst hat erleiden muessen. Boom verdirbt auch den Charakter. Dubai Speed portraitiert einige dieser Maenner, die sicherlich eine Menge zustande gebracht haben, um grosse Unternehmen aufzubauen, geschickte Investitionen zu taetigen, Dubai zu einer Drehscheibe zwischen Ost und West und zu einem Magnet des sonnen- und shoppingsuechtigen Welttourismus zu machen. Aber da war auch viel Missmanagement, Naivitaet, Korruption und Arroganz der Macht.
Einige von ihnen sitzen heute hinter Gittern, manche vielleicht sogar als Opfer einer anhaltenden Suche nach Suendenboecken. Andere duerfen zwar immer noch Boss spielen, aber die Kompetenzen beim Fuehren ihrer Unternehmen sind Ihnen beschnitten worden.
Und zwar zugunsten jener alteingesessenen Adelsfamilien, die den eigentlichen Hof um die herrschende Familie Maktoum bildeten und deren Handelsgeschaefte den ersten Aufschwung von Dubai beschert hatten. Die letzten Jahre des exzessiven Dubai-Rummels waren nicht so ihre Sache, und so hatten sich die Tayers und Lootahs aus dem politischen Leben zurueckgezogen.
Jetzt sind sie wieder da. Viele Mitglieder dieser Familien sitzen an den neuen Schaltstellen des Ruler’s Court (Regierungsspitze) und der gefaehrdeten Investmentunternehmen. Man koennte daraus schliessen, Dubai sei auf dem Weg in die eigene Vergangenheit. Immerhin gab es seit einiger Zeit grossen Aerger unter den Emiraties. Vielen war es einfach zu schnell gegangen, hinzu kam die kulturelle Ueberfremdung und schliesslich die peinliche Niederlage.
Doch diese alten Familien sind im Grunde keine Modernisierungsverweigerer. Es koennte gut sein, Scheich Mohammed habe nach einem Ausgleich zwischen den Reformern und den Konzervativen gesucht und sich der Autoritaet seiner ehemaligen Gefolgsleute bedient. So zieht die Karawane vielleicht weiter, mit ein wenig weniger Speed und mehr Vorsicht.
“Eile mit Weile” sollte auch für Dubai eine wichtige Weisheit bedeuten. Von Januar bis Oktober 2007 war ich in Dubai und wollte/sollte mit Holländisch-Deutschem Management im DHCC tätig werden. Schlechte Planung und Leitung des Luxus-Mammut-Praxisbaues, sowie menschliche Schwächen der leitenden Menschen ließen das Vorhaben scheitern. Schon im November 2006
erschien mir bei einem ersten Besuch des Muster-Emirates alles
wie ein Sandkasten mit verspielten Kindern und “meine Schaufel
ist größer,als Deine!” Nach einigen Monaten wirkt das Streben nach dem Größten in Dubai albern,aber auch beängstigend und stimmt nachdenklich, wohin diese Richtung
schließlich führen soll. Das sichere Gefühl, nachts ohne Angst in die dunkelste Ecke Dubai`s schlendern zu können, war wohl bei 1,5 Mill.Menschen im Stadtstaat noch zu garantieren, jedoch sicher nicht bei gewünschten insges.20 Millionen Einwohnern und Gästen, wenn nicht die Polizeikräfte total aufgestockt würde. Meine Skepsis über die Zukunft Dubai`s steigt an. Schade um diesen großartigen Start in eine neue Welt.